Vom Echo-Klassik auf das Sofa des DaschSalons: Annette Dasch, die junge
Sopranistin wurde gerade mit dem Echo-Klassik für die beste
Operneinspielung des Jahres ... 
--Von ddp-Korrespondent Klaus Schlösser--
Bad Hindelang (ddp-bay). Das Volksmusical «Hurlahutsch» in Bad
Hindelang steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Das gemeinsame
Projekt mit einer oberbayerischen Produktionsfirma sei unseriös
finanziert, beklagt Bürgermeister Adalbert Martin, der inzwischen die
Einnahmen vom Kartenverkauf sicherstellt, um den Schaden für die
Gemeinde zu begrenzen. Seit der Premiere am 12. Juli wurden vier
Vorstellungen im Kurhaus mit Krediten finanziert. Für die restlichen -
allesamt ausverkauften - Termine bis Mitte August soll ein neues
Finanzkonzept erarbeitet werden.
Unverhofft und wider Willen hat der Bürgermeister des Oberallgäuer
Kurortes bei dem Stück über «Wilde Fräulein» eine Rolle als
Krisenmanager übernommen. Aufgeschreckt durch eine Internet-Seite von
Geschädigten aus ganz Deutschland befürchtet Adalbert Martin, einer
Produktionsfirma aufgesessen zu sein, die für das Musical in Bad
Hindelang mehr Geld aus dem Etat einer gemeinsamen GmbH ausgibt, als
durch Eintrittskarten eingenommen werden kann. Nachdem Handwerker auf
ihren Rechnungen sitzengeblieben waren, stoppte die Gemeinde vorerst
alle Zahlungen an die Produktionsfirma. Seitdem eilt der Rathauschef
von einer Krisensitzung zur nächsten.
Die Hauptdarstellerin auf der Bühne ist ein «Wildes Fräulein» namens
«Hurlahutsch», die der Sage nach in Felshöhlen oberhalb des Ortsteils
Hinterstein hauste und im Dorf viel Gutes tat. Als das «wildeste
Fräulein» von allen bezeichnen die Hindelanger inzwischen aber die aus
dem Raum München stammende Produzentin des Stücks, die in dem
Oberallgäuer Bergdorf stets mit ihrem Vater als bevollmächtigtem
Geschäftspartner auftrat.
Der 61-Jährige wurde im Juni vom Amtsgericht Starnberg wegen Betrugs zu
einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ein Haftbefehl
wurde außer Vollzug gesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Firma der Tochter geriet danach in Zahlungsschwierigkeiten. Auf
einer eigenen Internet-Seite warnen Geschädigte des 61-jährigen Vaters
vor den Machenschaften des «Unternehmensberaters». Die Tochter und
Leiterin der Produktionsfirma wollte sich am Dienstag auf ddp-Anfrage
nicht zu den Vorwürfen äußern.
Trotz der schwierigen Situation will Bürgermeister Martin das
Volksmusical mit 130 Laiendarstellern aus dem Dorf retten. Sowohl
Landrat Gebhard Kaiser (CSU) vom Kreis Oberallgäu als auch der
Schirmherr des Musicals, der Deutsche Skiverbandspräsident Alfons
Hörmann, haben finanzielle Überbrückungshilfen beschafft. Die Gemeinde
habe die Produzentin gedrängt, sich geschäftlich von ihrem Vater zu
trennen, um die weiteren Vorstellungen bis Mitte August nicht zu
gefährden, sagte Martin. Es solle nunmehr eine eigene «finanztechnische
Lösung» für weitere Vorstellungen gefunden werden.
«Eine wilde Geschichte mit diesem Fräulein», ärgerte sich Cornelia
Beßler, die nach der alten Dorfsage das Buch über «Hurlahutsch» schrieb
und auf der Bühne im Kurhaus Regie führt. Ihr Traum von weiteren
Aufführungen auf einer Waldbühne sei damit wohl geplatzt, befürchtet
die 54-jährige Hausfrau, die auch das Bad Hindelanger Bauerntheater
leitet.
[Di, den 22.07.2008]
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